Solo Show „Wolfgang Flad. Schrittweise Annährung an ein Problem“

25.06.2017 - 24.09.2017

Opening: Sunday, June 25th, 2017, 4 pm

Museum im Kornhaus, Bad Waldsee

Eine auf den Ort zugeschnittene Installation in dem historischen Raum des Museums im Kornhaus. Die sechs Eichenpfeiler, welche die im Grundriss rechteckige Decke des Saals tragen, werden durch in ähnlicher Funktion stehende vertikale Flächen visuell verstärkt. Jeweils unterschiedlich schlank stehen immer zwei Flächen im 90-Grad-Winkel zueinander und ragen etwa 3 Meter in die Höhe. Jede dieser Platten wird sowohl vorder- als auch rückseitig in verschiedenen Farben vertikal verlaufend lackiert. Durch die im rechten Winkel angrenzende zweite Platte ergeben sich kontrastierende Farbverläufe und spannende Farbspiele mit einer vertikalen Betonung. Diese „Farbstelen“ sind frei und spielerisch im Raum verteilt.

An mehreren Stellen im Saal umfliegen skelett-, netz- oder gitterartige Strukturen dynamisch und kraftvoll in horizontalen Schwüngen und Bögen – wie ein sichtbar gemachter Luftstrom – die Farbstelen. Diese aus Holz und Pappmaché gefertigten Strukturen sind zusammengesetzt aus einzelnen, an dünnen Drähten hängenden skulpturalen Elementen. Sie wurden so lange abwechselnd geschliffen und mit vielen Schichten Farbe und Lack überzogen bis eine fließende organische Struktur entstand, die von Schwarz-, Grau- und Weiß-Tönen ummantelt jetzt einen maximalen Kontrast zu den rechteckigen vertikalen Farbstelen darstellt.

An den Wänden rund herum hängen konsequent kleinformatige mit weichen Farbverläufen lackierte Holztafeln, die abwechselnd entweder nur einen Farbraum zeigen, oder auch herausgefräste Pinselgesten. An einigen Steilen wird der Rhythmus der strengen Bildformate durch einen erhaben auf die Wand aufgebrachten Pinselgestus unterbrochen. Diese Positivreliefs sind aus Holz ausgeschliffene Elemente und stellen sozusagen das Gegenstück zu den ausgefrästen, also negativen Bildreliefs dar. Ähnlich wie bei der Kalligrafie, geht es bei den Pinselgesten um die Sichtbarmachung von Emotionen und um ästhetische Perfektion. Jede Vorlage für ein Relief, ist eine Auswahl aus hunderten schneller Pinselgesten mit schwarzer Tusche auf A4-Papier. Und jedes dieser Motive entsteht in einem unbewussten Augenblick, in einem fast beiläufigen Sekundenbruchteil. Der Stimmigkeit eines solchen einzelnen kurzen dynamischen Augenblickes wird gerade bei den Negativreliefs durch mehrere langwierige Arbeitsgänge Bedeutung gegeben. Nach dem aufwändigen Lackieren und wiederholten Schleifen des Bildträgers, folgt die zeichnerische Übertragung des Motivs in den Farbverlauf der Lackierung und schließlich ein langer Prozess des Ausfräsens aus den Schichten des darunterliegenden Holzes. Die Pinselgestus-Reliefserie ist also das Ergebnis der Untersuchung eines Augenblickes. Gleichzeitig handelt es sich natürlich auch um ein Zitatenwerk, und um eine Fortsetzung dessen, was Jackson Pollock, Hans Hartung, K. O. Götz, Roy Lichtenstein oder James Rosenquist angefangen haben und was bereits zitiert wurde, jedoch nun um die Bedeutung der Zeit und Materialität erweitert wird.

Der gesamte Boden ist hauchdünn mit schwarzem Quarzsand bestreut und verbindet alle Elemente zu einer installativen Einheit im Raum.

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