Einzelausstellung „Aus alter Wurzel neue Kraft. Teil 3“ mit Tim Berresheim

16.08.2020 - 27.09.2020

Eröffnung: Sonntag, 16. August 2020, ab 11 Uhr an der Gemeinschaftsgrundschule am Burgberg (Burgstraße 19, 41849 Wassenberg) mit anschl. Fahrradtour zu allen Ausstellungsorten

Gemeinschaftsgrundschule am Burgberg, Wassenberg, Bergfried Wassenberg, Villa Glanzstoff, Heinsberg, ehemalige Produktionshalle von Glanzstoff, Heinsberg, Kreisgymnasium Heinsberg and Begas Haus – Museum für Kunst und Regionalgeschichte, Heinsberg

Im dritten Teil der Ausstellungsreihe „Aus alter Wurzel neue Kraft“ führt Tim Berresheim einige seiner zentralen Bildmotive zurück in den Kontext, dem sie entstammen. Damit legt der in Wassenberg und Heinsberg aufgewachsene Künstler autobiografische Bezüge seines Schaffens offen und erzeugt vielschichtige Rückkopplungen zwischen dem digitalen Raum seiner Arbeiten und der Umgebung in situ. Nach Stationen in Los Angeles und Aachen mit Ausstellungen unter dem Titel „Aus alter Wurzel neue Kraft“ ergibt sich nun eine besondere Symbiose zwischen Berresheims Kunst und dem Ausstellungsort.

Berresheim gehört seit Beginn der 2000er
Jahre zu den international treibenden
Kräften der computerbasierten Kunst.
In seinen digital generierten Modellen
gegenwärtiger visueller Kulturen, mit all ihren hybriden
Versatzstücken aus der Kunst- und Bildgeschichte, lotet
er immanente Gestaltungsspielräume, Bedeutungen und
Möglichkeiten für eine künftige künstlerische Praxis
aus. Auf dem jeweils aktuellsten Stand des technisch
Machbaren sucht er immer neue Bildfindungen. In seinen
künstlerischen Forschungen verbinden sich Hightech und
eine DIY-Mentalität, die bereits die frühen Computer-Art-
Pionier*innen der Sechzigerjahre oder des Homebrew
Computer Club auszeichneten. Seine künstlerische
Archäologie der Gegenwart durchstreift die Archive des
Bestehenden, um in der Aneignung und Transformation
dieses Materials auf zukunftsweisende Potenziale
zu spekulieren. Künstlerische Praxis wird so zum
andauernden Lernprozess. Die Qualitäten neuer
Medien zeigen sich in der Auseinandersetzung mit
älteren – wie schon Marshall McLuhan wusste.
Für die Ausstellung in Wassenberg und Heinsberg knüpft
Berresheim nun auch an eine emanzipatorische und
pädagogische Tradition der computerbasierten Kunst
an, wie sie u. a. von Experiments in Art and Technology
(E.A.T.), dem Whole Earth Catalog (WEC), Seymour
Papert oder den Kybernetikern Gregory Bateson und
Heinz von Foerster vertreten wurde. Gemeinsam mit
den Schüler*innen der Gemeinschaftsgrundschule am
Burgberg in Wassenberg und dem Kreisgymnasium
Heinsberg – wo er auch selbst Schüler war – entwickelt
Berresheim eine umfangreiche Aufgabenstellung und
Unterrichtsbegleitung. Die Ergebnisse aus Malerei,
Zeichnung, Tonformung, digitaler und chemischer
Bildherstellung, Fotogrammetrie, Informatik
und Datenverarbeitung sowie Locationscouting
werden dann vom Künstler zusammengeführt
und durch weitere seiner Arbeiten zu einem
Gesamtkunstwerk ergänzt.
Im Gefüge der dezentralen Ausstellung an ausgewählten
Orten in Wassenberg und Heinsberg ergeben sich daraus
komplexe Reflexionsebenen auf den Ort, die Arbeiten
der Kinder und Jugendlichen, die visuelle Kultur der
Gegenwart und nicht zuletzt auch auf das OEuvre von
Berresheim.
Die Werke der Ausstellung werden als Tafelbilder,
Druckgrafiken und Textilarbeiten ab August 2020 im
Wassenberger Bergfried, der ehemaligen Produktionshalle
der Glanzstoff AG und der Villa Glanzstoff in Heinsberg-
Oberbruch sowie in den beiden Schulen zu sehen
sein. Im Begas Haus, dem Museum für Kunst und
Regionalgeschichte Heinsberg, wird es begleitend eine
dokumentarische Ausstellung geben, in der neben
Bildstudien, Filmdokumentationen und 3D-gerenderten
Bewegtbildern auch die Werke der Schüler*innen
gezeigt werden, die die Herstellungsprozesse des
gesamten Ausstellungsprojektes beleuchten.
Dies ermöglicht es den Schüler*innen, über die
Zusammenarbeit mit Berresheim auch als eigenständige
Autor*innen sichtbar zu werden und ihre Kreationen dem
Gesamtkunstwerk sowie den Werken des Künstlers zur
Seite zu stellen.
In diesem umfassenden Ausstellungskonzept
situiert Berresheim seine Arbeit der letzten zwanzig
Jahre in dem soziokulturellen Kontext, in dem er
aufgewachsen ist und aus dessen Fundus er immer
wieder schöpft. Innerhalb seines OEuvres wird dieser
Ausstellung damit eine besondere Schlüsselrolle zuteil,
da über die kunsthistorischen und technologischen
Referenzen hinaus seine Arbeiten auch als reflektierte
Resonanzräume visueller und gesellschaftlicher Kultur
für heterogene Rezipient*innen lesbar werden. Der
Ausstellungsparcours schafft vielfältige mediale Zugänge
und Situationen, die den institutionellen Rahmen der
Kunstrezeption erweitern und entgrenzen. Anstelle
einer Auflösung von Kunst in Lebenspraxis ermöglicht
Berresheim eine differenzierte Wahrnehmung ihrer
wechselseitigen Bezüge. Scheinbare Barrieren zwischen
Kunst, Technik und Gesellschaft werden dabei mit
Leichtigkeit aufgehoben.

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