FRANK AHLGRIMM. BOTOX TO GO. 13.06.2008 – 26.07.2008

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„BOTOX TO GO“ ist die zweite Einzelausstellung des in Berlin lebenden Malers Frank Ahlgrimm (*1965) in der Galerie Reinhard Hauff. Die großformatigen Gemälde des an der Stuttgarter Akademie ausgebildeten Künstlers, die international bereits in zahlreichen renommierten Sammlungen vertreten sind, kombinieren in der für Frank Ahlgrimm typischen Mischtechnik aus Öl-, Lack- und Acrylmalerei abstrakte und figurative Elemente und leisten damit einen bemerkenswerten Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Rolle der Malerei im Zeitalter der elektronischen Medien.

Die Dominanz des Digitalen mit den schier unendlichen Möglichkeiten zur Erzeugung künstlicher Bildwelten macht es dem Rezipienten zunehmend unmöglich, sich kritisch mit dem hochgradig fiktionalen Charakter des Bildes auseinanderzusetzen. Die Reizüberflutung im Internet, die ständige Berieselung mit den Werbebotschaften des Fernsehens und der damit einhergehenden Übersättigung an visueller Information, haben zu einer Abstumpfung des Betrachters geführt. Auf diesen Zustand der Entfremdung reagiert
Frank Ahlgrimm in seiner Malerei. Die komplexen Farb- und Formkombinationen seiner Bilder lassen kompositorisch scheinbar unvereinbare Gegensätze unvermittelt aufeinander treffen: gestisch ausgeführte Partien werden mit exakt gesetzten Verläufen konfrontiert, fein konturierte Schriftzüge kollidieren mit pastosen Farbgebirgen und verschmelzen zu einer hybriden, sich ständig auflösenden Gegenständlichkeit. In den sämtlich im Format 200 x 260 cm, beziehungsweise 260 x 200 cm ausgeführten Arbeiten der Ausstellung benutzt Frank Ahlgrimm Schrift und Satzfragmente als rein malerisches Element, das – jenseits seiner semantischen Bedeutung als Zeichen – rein formal zu lesen ist. Während in der Arbeit „BOTOX TO GO“, 2008 die spiegelnde Oberfläche der Buchstaben durchaus als Kommentar auf einen obsessiven Umgang mit Schönheit und Oberflächenreizen verstanden werden kann, sind in den Gemälden der Serie „Transit“ Elemente zu erkennen, die an Stacheldraht, Munition und Militärabzeichen des früheren Ostblocks erinnern. Das Abbild der Welt scheint wie ein Aufkleber auf die Leinwand appliziert. Einzig der stellenweise reliefartige Farbauftrag tritt in der Serie „Transit“ plastisch in Erscheinung. Durch das wie in einer Collage zusammengefügte Repertoire an Bildzeichen, das durch Cut & Paste dem visuellen Vokabular von Computerspielen, Werbefilmen oder Videoclips entnommen zu sein scheint, schafft Frank Ahlgrimm Gemälde, die durch die Verschmelzung verschiedener Bildebenen eine Flächigkeit vortäuschen, die eine malerische Antwort auf heutige Sehgewohnheiten darstellt.